Standortschießanlage Seck im Westerwald saniert. Kunststoff-Granulat statt Sand: Länger einsetzbar und wartungsfreundlich

Westerburg/Seck. Der Betrieb der Standortschießanlage Westerburg/Seck im Westerwaldkreis ist nach einer Grundsanierung nun wirtschaftlicher und noch sicherer. Statt wie bisher in eine meterdicke Sandschicht, schießt die Bundeswehr jetzt in 50 Zentimeter Polyurethan-Granulat in den Geschossfangkammern. Das Kunststoff-Granulat soll etwa dreimal so vielen Schüssen standhalten und ist deutlich weniger wartungsintensiv als Sand.

Rund 1,5 Mio. Euro investierte der Bund in die Sanierung der drei Schießstände, an denen mit Handfeuerwaffen aus bis zu 25 Metern Entfernung trainiert werden kann. Ausgeführt wurden die Arbeiten von 2019 bis 2020 durch die Niederlassung Diez des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) unter der Fachaufsicht des Amtes für Bundesbau Rheinland-Pfalz (ABB).

In den sanierten Schießständen wird von nun an in eine 50 Zentimeter dicke Schicht aus Polyurethan in der Körnung 12,5 bis 25 Millimeter geschossen. Das Granulat soll eine Schussbelastung von etwa 1 Mio. Schuss aushalten. Ist diese Grenze erreicht, wird das Material ausgebaut und gesiebt. Lediglich das zerschossene Granulat von weniger als 12,5 Millimeter Größe muss durch frisches Granulat ersetzt werden, danach kann die komplette Masse wieder eingefüllt werden. Die vieleckige Struktur des Granulates reduziert außerdem die Gefahr, dass sich abgefeuerte Munition in sogenannten Geschossnestern sammelt. An diesen Stellen konnten Ab- und Rückpraller früher zum Problem werden.

Keine kostspielige Entsorgung mehr
Der bisher in den Geschossfangkammern verwendete Sand hielt lediglich einer Schussbelastung von etwa 300.000 Schuss stand, bevor er unbrauchbar wurde. Da er mit Blei aus der Munition belastet war, fielen Entsorgungskosten von ca. 150 Euro pro Tonne an. Außerdem musste der Sand zur Vermeidung von Staubentwicklung, Sichtbehinderungen und Gesundheitsgefahren feucht gehalten werden. Beim Granulat ist das nicht erforderlich. Dadurch wird auch einem Verfaulen der Holzeinbauten in den Ständen vorgebeugt und die Kosten für Wasser, Leitungen, Schieberarmaturen und Wasseruntersuchungen entfallen.

An den Betonmauern der Schießstände wurde bei den Baumaßnahmen außerdem die Holzverkleidung zum Schutz vor Rückprallern gegen gefalztes Lärchenholz getauscht, das beim Nachtrocknen kaum schrumpft. Das verringert eine Fugenbildung zwischen den Brettern deutlich, die Schießsicherheit bleibt über einen längeren Zeitraum gewährleistet und die Intervalle der Holzsanierung verlängern sich. Die Betonteile der um 1970 gebauten Geschossfangkammern wurden für die kommenden 30 Jahre saniert und die Dächer instandgesetzt.

Mehr Platz: Übungskapazität steigt
Zwischen den Schießständen und an deren äußerer Begrenzung waren bisher Erdwälle aufgeschüttet, die verhinderten, dass Projektile den Schießstand unkontrolliert verließen. Diese Erdwälle wurden entfernt und durch holzverkleidete Betonwände ersetzt. Die Vorteile sind ein Rückgang der Unterhaltungs- und Pflegekosten, da die Erdwälle aufwendig gemäht werden mussten. Des Weiteren entstand durch den Wegfall der Erdwälle mehr Platz, so dass pro Schießstand jetzt drei, anstatt - wie bisher - zwei Schützen gleichzeitig Schießübungen ausführen können. Dies erhöht die Effektivität, spart dadurch Aufsichtspersonal und Zeit.

Auf der Standortschießanlage Westerburg/Seck können unter anderem die Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsregimentes 2 aus Rennerod und des Kommandos Regionale Sanitätsunterstützung aus Diez ihre Übungen durchführen.