Erthaler Hof: Veranstaltungen im Festsaal jetzt barrierefrei erreichbar – Bauministerin Ahnen nimmt Aufzug im Mainzer GDKE-Sitz in Betrieb

Der Fest- und Konzertsaal im Erthaler Hof, Sitz der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) in Mainz, ist jetzt barrierefrei erreichbar: Den neu eingebauten Aufzug nahmen Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen, GDKE-Generaldirektor Thomas Metz und der Beauftragte des Landes für die Belange behinderter Menschen, Matthias Rösch, bei einem Ortstermin offiziell in Betrieb. Der denkmalgerecht eingepasste Lift gehört zu einer Reihe von Vorab-Maßnahmen, denen unter der Leitung des Landesbetriebs LBB eine umfassende Brandschutzsanierung im Gesamtkomplex „Ämterhaus Mainz“ zwischen Schillerstraße und Großer Langgasse folgen soll. Dabei wird jeweils auch die Barrierefreiheit verbessert.

Mainz. Der neue Aufzug zum 1. Obergeschoss des Erthaler Hofs erhielt aus baulichen Gründen seinen Standort in einem der beiden eingeschossigen Anbauten. Durch dessen Flachdach führt der Aufzugschacht hindurch und schließt direkt an eine Fensteröffnung im 1. Obergeschoss des Haupttraktes an. Der Aufzugskopf wurde in Abstimmung mit der Landesdenkmalpflege in Holzkonstruktion errichtet und mit gefalzten Kupferblechen in einem dunklen Patina-Ton verkleidet. Die Fensteröffnung wurde zum Zugang in das dahinterliegende Zimmer umgebaut, die dort eingebaute Tür ist als verglaste Holzrahmentür dem Baudenkmal angepasst. Von dort aus führt der Weg durch mehrere Räume in den historischen Festsaal.

„Allen Bürgerinnen und Bürgern muss der Zugang zu öffentlichen Gebäuden möglich sein. Gleichberechtigte Teilhabe ist untrennbar mit Barrierefreiheit verbunden. Für uns als Landesre-gierung ist es daher ein vorrangiges Ziel, neue Gebäude selbstverständlich direkt barrierefrei zu planen und auch historische Gebäude ohne Hindernisse zugänglich zu machen. Dabei nehmen wir immer auch den Denkmalschutz fest in den Blick. Jedes Kulturdenkmal bringt Besonderheiten mit sich, die kreative und individuelle Planungslösungen erfordern. Dies ist nicht nur hier im Erthaler Hof hervorragend gelungen, sondern in den vergangenen Jahren unter anderem auch im Hambacher Schloss in Neustadt an der Weinstraße, der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz und der Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben“, sagte Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen.

Zur Komplettierung des barrierefreien Zugangs wird bis Ende des Jahres die vorhandene Rampe am Eingang der GDKE-Direktion Archäologie durch eine breitere Rampenanlage ersetzt. Die neue Stahlkonstruktion in L-Form ermöglicht eine geringere Steigung von maximal 6 Prozent gemäß der DIN-Norm für Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden. Der wasserdurchlässige Betonplatten-Belag minimiert Rutschgefahren, die Farbgebung in einem dezent glimmernden Anthrazit-Ton ist, wie alle baulichen Maßnahmen im Umfeld des Baudenkmals, mit der Denkmalpflege abgestimmt. Die vorhandene barrierefreie Toilettenanlage im Eingangsbereich steht den Besucherinnen und Besuchern des Festsaals zur Verfügung. Sie wird im Rahmen einer geplanten Strangsanierung saniert und erhält eine per Tastendruck bedienbare elektrische Schiebetür. Vom Eingang der Landesarchäologie erreichen Besucherinnen und Besucher barrierefrei den Aufzug. Die Gesamtbaukosten für den Aufzug und die Erneuerung der Rampe betragen rund 643.000 Euro.

„Mit dem Aufzug im Erthaler Hof wird einer der schönsten Veranstaltungsräume in Mainz, der Festsaal, endlich barrierefrei zugänglich. Damit wird deutlich, dass es den angeblichen Wider-spruch zwischen Barrierefreiheit und Denkmalschutz so nicht gibt und gemeinsam Lösungen erreicht werden können. Das ist ein gutes Zeichen für die Besucherinnen und Besucher mit Behinderungen wie auch für die Beschäftigten der Generaldirektion Kulturelles Erbe und darüber hinaus. Und damit auch ein wichtiges Signal, wie gemeinschaftlich die UN-Behindertenrechtskonvention in Rheinland-Pfalz umgesetzt wird“, erklärt der Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, Matthias Rösch.

Für Marita Boos-Waidosch, die frühere Behindertenbeauftragte der Stadt Mainz, wurde mit der barrierefreien Erschließung des Festsaals ein wichtiges Anliegen realisiert. „Mit der Umsetzung der Barrierefreiheit des Erthaler Hofes erfüllt sich meine Lebensdevise: Wo ein Wille, da ein Weg! Ich glaube zutiefst daran, dass es immer einen Weg zu mehr Teilhabe für alle gibt, wenn wir gemeinsam an Lösungen arbeiten“, so Boos-Waidosch.

Im Herbst 2020 beginnt unter der Leitung der LBB-Niederlassung Mainz die Sanierung der Fenster am Erthaler Hof. Eine genaue Bestandsaufnahme zum Zustand jedes Fensters liegt bereits vor, die Sanierungsschritte werden mit der Denkmalpflege abgestimmt. Gerüste werden gemäß der Planung nicht erforderlich sein.

Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE, sagte: „Zum Auftrag der GDKE gehört, die Teilhabe an den Kulturgütern des Landes allen Menschen zu ermöglichen. Daher freue ich mich außerordentlich, dass der barocke Festsaal im Erthaler Hof nun barrierefrei erschlossen werden konnte. Sehr dankbar bin ich auch über die weiteren Baumaßnahmen zum Erhalt und der Pflege des Denkmals und Sicherung unseres Dienstbetriebs.“

Im Vorgriff auf die umfassenden Brandschutzsanierungen in allen Teilen des „Ämterhauses Mainz“ hat die Niederlassung Mainz des Landesbetriebs LBB bereits erste Maßnahmen umge-setzt. Die beiden Gebäude an der Großen Langgasse erhielten an ihren Hofseiten jeweils eine Rettungstreppe in Form von Spindeltreppen. Sie sind breit genug, um darauf Personen auf Tragen transportieren zu können. Die Fenster an den Rettungstreppen wurden zu Türen umgebaut. An dem vom Veterinäramt Mainz-Bingen genutzten Gebäude wird der zweite Rettungsweg mittels einer fest installierten Notleiter-Anlage mit Rückenschutz sichergestellt. Sie verfügt über Umstiegspodeste, so dass sie auch von Personen aus dem angrenzenden Erthaler Hof durch ein Ausstiegsfenster im Erdgeschoss erreicht werden kann.

Im Haupttreppenhaus des Erthaler Hofs und in den Treppenhäusern der übrigen Gebäude wurden Rauch-Wärme-Abzugsanlagen eingebaut. Das sind Fenster mit elektromotorischen oder elektromagnetischen Schließvorrichtungen und unabhängiger Stromversorgung. Sie lassen sich auch bei einem Stromausfall öffnen und offenhalten, sodass Rauch und Hitze teilweise entweichen können. Zudem wurden alle Türen zu den Treppenräumen entweder rauchdicht nachgerüstet oder durch Rauchschutztüren ersetzt.

„Barrierefreiheit in den Gebäuden des Landes ist für den Landesbetrieb LBB und unsere Projektteams nicht nur gesetzlicher Auftrag, sondern auch ein echtes Anliegen“, betonte der Leiter der Mainzer Niederlassung des Landesbetriebs LBB, Markus Rank. „Handelt es sich dabei um Bestandsgebäude oder wie beim Erthaler Hof um ein bald 280 Jahre altes Baudenkmal, muss man mitunter kreativ werden und den neuen Aufzug durch die Decke gehen lassen – beziehungsweise durch das Dach des Anbaus der 1950 wiederaufgebaut wurde. Mein Dank geht daher an das Planungsbüro Bonn, an die GDKE als Hausherrin, die Landesdenkmalpflege für die hervorragende Zusammenarbeit und an die ausführenden Fachbetriebe, die mit viel Fingerspitzengefühl zu Werke gegangen sind.“

Ebenfalls im Herbst 2020 starten die Brandschutzsanierungen. Beginnend mit dem Erthaler Hof werden nacheinander alle Gebäude des Ämterhauses brandschutztechnisch ertüchtigt und im gleichen Zuge ihre Barrierefreiheit verbessert. Je Gebäude ist mit einer Bauzeit von etwa 1 bis 1,5 Jahren zu rechnen. Zeitweise müssen Arbeitsplätze in Zwischenquartiere verlagert werden, die Steinsammlungen der GDKE werden in speziellen Container-Elementen im Innenhof depo-niert. Die Gesamtkosten der Brandschutzsanierung sind mit rund 6 Mio. Euro veranschlagt. Beispiele für die zahlreichen Einzelmaßnahmen sind rauchdicht schließende Türen in den Treppenräumen und Fluren. Im Verlauf von Rettungswegen erhalten alle Türen Notausgangsver-schlüsse, die sich in Fluchtrichtung jederzeit ohne Schlüssel öffnen lassen. Durchgangstüren zwischen benachbarten Räumen sind künftig in jedem Fall Rauch- und Brandschutztüren, die einem Feuer bis zu 30 Minuten lang standhalten.

Im Erthaler Hof werden senkrecht durch das Gebäude geführte Leitungsschächte und Kamine geschossweise feuerbeständig geschottet, damit ein Feuer sich möglichst nicht über Stockwerke hinweg ausbreiten kann. In den übrigen Gebäuden werden die Decken über den Untergeschossen durch den Einbau von Unterdecken aus Brandschutz-Bauplatten so ausgerüstet, dass sie einem Feuer bis zu 90 Minuten standhalten können. Diese Arbeiten sind besonders aufwändig, da die unter den Decken installierten Leitungen demontiert und zum Schluss neu verlegt werden müssen.

Darüber hinaus wird ein neues Brandmeldekonzept umgesetzt. Unter anderem wird die vorhandene Brandmeldezentrale durch drei mikroprozessorgesteuerte, modular erweiterbare Brandmeldezentralen ersetzt, die miteinander vernetzt sind. Die in den Gebäuden installierten Brandmelder werden durch technisch kompatible Melder ersetzt. Modernisiert wird auch das Feuerwehrinformationszentrum (FIZ) der Liegenschaft, wo die eintreffende Feuerwehr das Anzeigentableau der ausgelösten Alarmzustände, Laufkarten mit darin eingezeichneten Brandmeldern und falls erforderlich auch Schlüssel vorfindet.

(Zusatzinformation:)

Erthaler Hof und Ämterhaus Mainz

Der 1734-1743 von Reichsfreiherr Philipp Christoph von Erthal erbaute Erthaler Hof gehört zu den wenigen im Zweiten Weltkrieg unzerstörten Adelshöfen von Mainz. Aus ihm ging der letzte Mainzer Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal hervor. Unter französischer Herrschaft (1797 bis 1814) war der Bau Präfektur des Departement Mont-Tonnerre, das neben Rheinhessen auch die Pfalz umfasste. In hessischer Zeit (1816 bis 1918) diente der Erthaler Hof als Provinzialdirektion, nach Gründung des Landes Rheinland-Pfalz als Bezirksregierung von Rheinhessen, dann als Kreisverwaltung Mainz-Bingen, ab 1998 als Landesamt für Denkmalpflege bzw. Landesdenkmalpflege und heute den GDKE-Direktionen Landesdenkmalpflege und Landesarchäologie.

Baulich gesehen besteht der Erthaler Hof aus zwei dreigeschossigen Pavillons, die durch einen niedrigeren Mittelbau miteinander verbunden sind. Der Baustil wird als französisch beeinflusster Klassizismus beschrieben. Seine Abmessungen betragen etwa 45 Meter in der Länge und 19 Meter in der Tiefe. Im Erdgeschoss beträgt die Gebäudelänge rund 70 Meter aufgrund der beiden in den 1860er-Jahren errichteten Anbauten, die nach Kriegszerstörungen 1950 wiederaufgebaut wurden. Das Dachgeschoss ist teilweise ausgebaut (Mansarddächer). Im GDKE-Denkmalverzeichnis der Stadt Mainz ist der Erthaler Hof als Einzeldenkmal gelistet. Die weiteren vier Gebäude des „Ämterhauses Mainz“ entstanden den 1950er- und 1960er-Jahren. Untergebracht sind darin das Institut für Steinkonservierung e.V., die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd sowie das Gesundheitsamt, das Veterinäramt und die Weinbaukontrollstelle Mainz-Bingen.